Maria Theresia
wehrhafte Regentin in bewegten Zeiten

Daten und Fakten im Überblick

Maria Theresia

Maria Theresia

Da Kaiser Karl VI. keinen männlichen Erben hatte, trat seine Tochter Maria Theresia 1740 nach dem Tod ihres Vaters die Regierung an. Die 1713 von Karl VI. proklamierte Pragmatische Sanktion, die für einen solchen Fall auch eine weibliche Nachfolge vorsah, wurde von den Kurfürsten von Bayern und Sachsen nicht anerkannt. Beide waren mit Töchtern Kaiser Josefs I., dem Bruder und Vorgänger Karls VI., verheiratet – Karl Albrecht von Bayern  mit Maria Amalia Josefa (1701-1756) und Friedrich August II. von Sachsen mit Maria Josefa (1699-1757).

 

 

Zeitleiste

1717    Geburt Maria Theresias als Tochter von Karl VI und Elisabeth Christine von Braunschweig Wolfenbüttel
1736    Heirat mit Franz Stephan v. Lothringen
1740    Tod Karls VI
1740    Franz Stephan wird Mitregent
1741    Krönung zur Königin von Ungarn
1742    Beginn der großen Staatsreformen
1742    Karl Albert von Bayern wird zum Deutschen Kaiser Karl VII. gewählt
1743    Krönung Maria Theresias zur Königin von Böhmen
1745    nach dem Tod Karls VII. wird Franz Stephan v. Lothringen zum Deutschen Kaiser Franz I. gewählt
1746    Reform der Kataster und Steuerlisten
1749    Behördenreform – Haugwitz
1752    Gründung der Militär-Akademie
1765   Tod Franz Stephans, Josef wird Mitregent und zum Deutschen Kaiser Josef II. gewählt
1780   Tod Maria Theresias

Feldzüge

Erster Schlesischer Krieg 1740 – 1742

  • Friedrich II. von Preußen (1740-1786) erhob alte aber fragliche Rechtsansprüche auf Teile von Schlesien
  • Friede von Berlin: Abtretung von Schlesien mit Ausnahme der Herzogtümer Teschen, Troppau und Jägerndorf

Österreichischer Erbfolgekrieg 1741 – 1748

Gebietsforderungen:

  • Bayern: Böhmen, Oberösterreich, Tirol, Vorlande
  • Sachsen: Mähren, Teile Schlesiens
  • Frankreich: kaiserlichen Niederlande
  • Spanien: die habsburgischen Besitzungen in Italien

Die Bayern und französische Hilfstruppen besetzen Oberösterreich und Böhmen und dringen bis an die Traisen vor.

Salzburg bleibt neutral, wird aber Durchzugsgebiet von beiden Parteien

Unterstützung durch Ungarn, Gegenangriff bis Linz. Die französisch-bayerischen Besatzungstruppen unter Kommando von Generalleutnant Segur ergeben sich gegen freien Abzug.

Sachsen geht auf Distanz zu Preußen

1742 Präliminarfriede von Breslau bestätigt Verlust Schlesiens

1748 Friede von Aachen beendet den österreichischen Erbfolgekrieg. Österreich verzichtet auf Parma und Piacenza zu Gunsten eines spanischen Prinzen, endgültiger Verlust Schlesiens.

Zweiter Schlesischer Krieg 1744-1745

Sachsen an der Seite Österreichs, Karl VII. muss Bayern räumen

Friede von Füssen: Bayern geht an die Wittelsbacher zurück, Maximilian Joseph anerkennt die Pragmatische Sanktion und stimmt für Franz I als Kaiser

Friede von Dresden: Preußen behält Schlesien.

Neuorientierung der österreichischen Außenpolitik

(Defensivallianz) durch Staatskanzler Wenzel Kaunitz.

Bündnis

  • mit dem Erzfeind Frankreich (Madame Pompadour spielte dabei eine wichtige Rolle) und
  • mit Russland (Zarin Elisabeth Petrovna 1741-1762)
  • „Die drei Weiberröcke“

 Dritter Schlesischer Krieg = Siebenjähriger Krieg 1756-1763

 Schlachten und Sieger:

Jahr Österreich und Verbündete Preußen und Verbündete
1757 Kolin (FML Daun)

Hastenbeck (frz.Marschall Louis Charles d’Estrées)

Hlinaj und Nollenberg (Obst Laudon)

Großjägerndorf (russ. FM Apraxim)

Moys (General Nadasdy)

Berlin (FML Hadik)

Schweidnitz (General Nadasdy)

Breslau (FM Karl von Lothringen)

 

Prag (Friedrich II.)

Erfurt (Friedrich II.)

Roßbach (Friedrich II.)

Leuthen (Friedrich II.)

Breslau (Friedrich II.)

Liegnitz (Friedrich II.)

 

1758 Hochkirch (FM Daun)

 

Am Rhein (FM Ferdinand von Braunschweig-Bevern)

Krefeld (FM Ferdinand von Braunschweig-Bevern)

 

1759 Bergen-Enkheim (frz Herzog von Broglie)

Kay (russ. General Soltykow)

Kunersdorf (General Laudon)

Maxen (FM Daun)

Minden (FM Ferdinand von Braunschweig-Bevern)

 

1760 Landshut in Schlesien (General Laudon) Liegnitz (Friedrich II.)

Torgau (Friedrich II.)

1761 Schweidnitz (österr. und russ. Truppen)
1762 Burkersdorf bei Schweidnitz (Friedrich II.)

Freiberg (Prinz Heinrich in Preußen)

Gesamtverluste Österreichs:

  • 303.592 Mann (Tote, Verwundete, Invalide, Gefangene)
  • 82.483 Pferde
  • 397 Kanonen

1761 Regierungswechsel in England – Sturz des preußenfreundlichen Ministers Pitt

1762 Tod der Zarin Elisabeth, der Nachfolger Peter III. war Anhänger Friedrichs II., er wird von seiner Gattin Katharina II. gestürzt. Auch sie hält am Frieden mit Preußen fest.

1763 Friede von Hubertusburg:

Endgültiger Verlust Schlesiens

Gebietsgewinne und -verluste

Gebietsgewinne und -verluste

Bayrischer Erbfolgekrieg 1778-1779

Friede von Teschen: 13.5.1779

Innviertel und Teile des Hausruckviertels an Österreich

Anerkennung Ansprüche Preußens auf Ansbach-Bayreuth u Sachsen

Weitere Gebietsgewinne:

1772 Galizien durch die 1.Teilung Polens

1775 Bukowina durch Vermittlung im Russisch-türkischen Krieg

Reformen:

  • Justizreform: Constitutio Criminalis Theresiana (Halsgerichtsordnung), Abschaffung der Folter
  • Hof- und Staatskanzlei: zuständig für alle dynastischen und außenpolitischen Angelegenheiten
  • Schulreform: Allgemeine Schulpflicht, Einführung des Hochschulwesens
  • Staatsreform: Schaffung zentralistischer Behörden, Reform der Kataster und Steuerlisten,
  • Directorium in publicis et cameralibus: Behörde für die politische und Finanzverwaltung der österreichischen Länder einschließlich Böhmens, aber ohne Ungarn. Einführung eines einheitlichen Zollsystems und Abschaffung der Binnenzölle.
  • Schaffung des Haus-, Hof- und Staatsarchivs für alle staats- und verwaltungswichtigen Urkunden
  • Gesundheitsreform

Berater Maria Theresias:

  • Wenzel Graf Kaunitz – Staatskanzler, Außenpolitik
  • Graf Haugwitz – Staatsreform
  • Gerhard van Swieten – Gesundheitsreform
  • Joseph von Sonnenfels – Justizreform
  • Feldzeugmeister Leopold Josef Graf Daun – Militärreform, Gründung der Militärakademie

Feldherren:

  • Karl von Lothringen
  • Leopold Josef Graf Daun
  • Gideon Freiherr von Laudon
  • Franz Moritz Graf von Lacy

 Militärreform:

Maria Theresia klagte über die schlechte Ausbildung und Organisation der Armee: „Jeder macht ein anderes Manöver im Marsch, beim Exercieren oder beim Alarm; einer schoss geschwind, der andere langsam: die nämlichen Worte und Befehle wurden bei einem so und bei dem anderen anders ausgedrückt, und da ist es denn kein Wunder, wenn zehn Jahre vor meiner Regierung der Kaiser allzeit geschlagen worden, ich wie ich selbst das Militär gefunden, nicht zu beschreiben ist.“

Maria Theresia beauftragte Feldzeugmeister Daun mit der Reform der Armee. Er war verheiratet mit einer Tochter der Gräfin Fuchs, der engsten Vertrauten Maria Theresias. Das hat ihm den ironischen Ruf einer „Begabung für strategische Ausgangsstellungen“ eingetragen.

Daun erhält den Auftrag, „die zur Beschützung meiner Monarchie so sehr benötigte Kriegsmacht mit systematischer Ordnung auf einen guten Fuß zu setzen.“

Er entwirft neue Reglements für Infanterie und Artillerie und reformiert die Ausbildung.

Das Militärwesen war bis dahin in den Händen der Landstände gelegen. Die Regimenter hatten ihre „Inhaber“, die ihre Truppen unterschiedlich finanzierten, ausrüsteten und instruierten.

Das Heer wurde nun der Zentralmacht unterstellt, diese musste jetzt aber auch für die Bezahlung, Verpflegung, Bekleidung, Unterbringung und Ausrüstung aufkommen. Das erforderte erhebliche Mittel.

Die Regimenter, die bisher nach den Namen ihrer Inhaber bezeichnet wurden, erhielten jetzt Nummern und wurden damit auch rein äußerlich von der Person des Oberst-Inhabers gelöst.

In Preußen herrschte ein ganz neuartiges Verhältnis zwischen dem König und den Offizieren. Er trug die gleiche Uniform wie sie, lebte mit ihnen im Lager und setzte sich auch den Gefahren der Schlacht aus.

Das konnte Maria Theresia als Frau nicht. Sie hob das soziale Niveau des Offizierskorps, die Offiziere wurden als Berufsstand für „hoffähig“ erklärt, es wurde ein „Militäradel“ geschaffen, der aber schon wegen des fehlenden Besitzes nie an den alten Feudaladel herankam.

Die Anforderungen an den Offizier wurden neu definiert. Es reichte nicht mehr, ein schneidiger Reiter und ein galanter Offizier zu sein. Es wurden technische und fachliche Kenntnisse gefordert.

Kinder:

  1. Maria Elisabeth *5.Februar 1737, +7.Juni 1740
  2. Maria Anna, * 6.Oktober 1738, + 19.November 1789, Äbtissin in dem von ihrer Mutter gegründeten Damenstift in Klagenfurt
  3. Maria Karoline, * 12.Jänner 1740, + 25.Jänner 1741
  4. Joseph, * 13.März 1741, + 20.Februar 1790, Kaiser Joseph II.
  5. Marie Christine, * 13.Mai 1742, + 24.Juni 1798; Statthalterin der österreichischen Niederlande (1781-1789 und 1791-1792). Verheiratet mit Herzog Albert von Sachsen Teschen, Gründer der Albertina
  6. Maria Elisabeth, * 13.August 1743, + 22.September 1809, Äbtissin in Innsbruck (1781-1805)
  7. Karl Joseph, * 1.Februar 1745, + 18.Jänner 1761
  8. Maria Amalia, * 26.Februar 1746, + 18.Juni 1804, wurde gegen ihren erklärten Willen mit Herzog Ferdinand II. von Bourbon-Parma verheiratet. Bruch mit der Mutter
  9. Peter Leopold, * 5.Mai 1747, + 1.März 1792, Großherzog der Toskana, Kaiser Leopold II., Gattin Maria Luisa von Bourbon
  10. Maria Karoline, * 17.September 1748, + 17.September 1748
  11. Johanna Gabriele, * 4.Februar 1750, + 23.Dezember 1762
  12. Maria Josepha, * 19.März 1751, + 15.Oktober 1767
  13. Maria Karoline, * 13.August 1752, + 8.September 1814; Gatte König Ferdinand IV. von Neapel-Sizilien
  14. Ferdinand Karl, * 1.Juni 1754, + 24.Dezember 1806; Gattin Maria Beatrix von Este-Modena
  15. Maria Antonia (Marie Antoinette), * 2.November 1755, + 16.Oktober 1793 Hinrichtung in Paris gemeinsam mit Gatten Ludwig XVI.
  16. Maximilian, * 8.Dezember 1756, + 27.Juli 1801, Kurfürst und Erzbischof von Köln, Fürstbischof von Münster