Wehrgeschichtliche Reise nach Tatarstan

Vom 16. bis 23. September reiste eine Gruppe von zehn SWGM-Mitgliedern unter Führung des stelvertretenden Obmanns Oberst i.R. Dr. Bruno Koppensteiner nach und durch die Republik Tatarstan. Anlass war:

  • Einladung des Kulturministeriums der Republik TATARSTAN und des
  • Staatlichen Geschichts-, Architektur- und Kunst- Museums
  • anlässlich der Feierlichkeiten zu den Jubiläen
    • 235. Geburtstag von Nadeschda DUROVA ( 1. russische Frau als Offizier ) und
    • 25. Jahrestag des Museums von Nadeschda DUROVA in JELABUGA
Reise Tatarstan

Sonntag, 16.September 2018

Unsere Reise begann am Flughafen Salzburg und führte über WIEN nach MOSKAU und weiter nach KAZAN, wo uns ein Taxi-Bus ins Hotel REGINA brachte.

Montag, 17.September

Am Vormittag wurden wir im alten Stadtteil der Hauptstadt KAZAN durch den Kreml geführt. Durch den Erlöser-Turm betraten wir die Hauptstraße. Einige der Bauten sind bereits renoviert, andere werden gerade wieder hergestellt. Unsere Führerin zeigte uns die neu errichtete KUL SHARIF-Moschee, ein Kloster und die orthodoxe Verkündigungs-Kirche. Zum Abschluss sahen wir in einem der Museen (ehemalige Militärschule) eine Wechselausstellung der Eremitage ST. PETERSBURG, welche kostbarste Gastgeschenke an den Zaren präsentierte.

Ein Taxi brachte uns zurück ins Hotel, von wo wir nach dem Mittagessen zum Freilichtmuseum der Inselstadt SWIJASCHSK aufbrachen. Zur Zeit Ivans des Schrecklichen gab es dort eine Burg, später errichtete man Klöster und Kirchen, heute ist die Insel von etwa 300 Menschen bewohnt. Auch hier wird renoviert und viele Gebäude zeigen sich schon in gutem Zustand. Wir wurden durch ein Museum geführt, welches die Geschichte der Region sehr anschaulich darstellt (Reliefkarte mit bewegten Bildern für die verschiedenen Eroberungszüge). Auferstehungskirche, Klöster und die Kathedrale der Gottesmutter-Ikone vervollständigten unseren Rundgang. Dieser Ikone wird eine besondere Kraft zugeschrieben.

Zufrieden kehrten wir zum Abendessen ins Hotel zurück.

Dienstag, 18. September

Zeitig um 7:30 Uhr wurden wir vom Taxi-Bus abgeholt um zur alten Niederlassung BOLGAR zu fahren. Hier vereinigen sich die Flüsse WOLGA und KAMA. Heute liegt BOLGAR an einem kilometerlangen Stausee. In früherer Zeit war hier die Hauptstadt, heute zeigt man uns einen Museumskomplex mit Ausgrabungen und einem großen neuen Museum. Mit Lift oder Rolltreppen gelangt man 4 Stockwerke in die Tiefe! Exponate von der Steinzeit bis ins Mittelalter entführten uns in ferne Zeiten und fremde Kulturen. Beeindruckend sind die feinen Arbeiten aus Metall oder Keramik in wunderschönen Mustern und Farben! Mit dem Lift ging es zurück in die Gegenwart und weiter nach einem Mittagessen in dreistündiger Fahrt nach JELABUGA, einer Stadt an der Kama. Nadeschda DUROWA verbrachte hier ihre letzten Lebensjahre und ihr ist heute ein hübsches Museum in Form eines Erinnerungshauses gewidmet.

In dieser Stadt wurden wir zu einem großartigen Abend empfangen. Die Nachfahren DUROVAS saßen bereits am Ehrentisch, das Fest begann mit Ansprachen, weiter mit der Vorstellung der Gäste und Würdigung der freundschaftlichen Beziehungen. Schließlich verwöhnte man uns mit einem fulminanten mehrgängigen Abendessen und Musikprogramm: Gesang, Flötenspiel und Tanz in Kostümen des Tatarenvolkes.

Mittwoch, 19. September

Um 9:30 brachen wir auf um an den feierlichen Zeremonien zum 235.Geburtstag von Nadeschda DUROVA teilzunehmen. Am TROITSKAYA-Platz begannen um 10 Uhr Darbietungen einer lebhaften Tanzgruppe von Kindern in Uniformen, danach folgten die Ansprachen der verschiedenen Nachfahren und Ehrengäste, darunter auch Dr. Bruno KOPPENSTEINER. Anschließend legten Militärschüler Girlanden und Blumenschmuck am Rand des Reiterstandbildes nieder. Schließlich begaben sich alle Gäste und Teilnehmer zum Grabmal von DUROVA, wo die Feierlichkeiten mit einem Ehrensalut beendet wurden.

Am Rückweg begleitete uns Frau Vizebürgermeisterin RYBAKOVA durch einen Park mit vielen schmiedeeisernen Skulpturen ( Stationen einer Ehe…) zum Restaurant.

Nach einem wiederum reichlichen Mittagessen fuhren wir in die Sonder-Industriezone ALABUGA. Man zeigte uns ein Traktorenwerk, in welchem 80 verschiedene Arten dieser Arbeitsgeräte hergestellt werden. BRUNO und GERNOT konnten sogar Probe fahren!

In dieser Zone gelten besondere Bedingungen als Anreiz zur Ansiedlung von Investoren:

  • 0 % Eigentumssteuer
  • 0 % Grunderwerbssteuer
  • 0 % Transportsteuer
  • 2 % Einkommenssteuer in den ersten 5 Jahren
  • 7 % Einkommenssteuer in den folgenden 5 Jahren und 15,5 % bis 2055.
  • Dazu gibt es freien Zugang zu Elektrizitätsverbindungen.

Arbeitskräfte für diverse Sparten werden laufend angeworben. Der monatliche Verdienst liegt höher als in anderen Industriegebieten TATARSTANS, dafür erwartet man auch sehr hohe Motivation und Flexibilität.

Nach unserer Rückkehr in die Stadt JELABUGA nahmen wir am Kongress der Nachfahren teil. Dr. Koppensteiner referierte dort über Frauen beim Militär. Abschließend gab er noch ein Interview für die Presse.

Am Ende dieses übervollen Tages kehrten wir nach dem ausgiebigen Abendessen im TRAKTIR-Restaurant zurück ins Hotel SCHISCHKIN.

Donnerstag, 20. September

Sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg gab es in der Nähe JELABUGAS Lager von Kriegsgefangenen. Jene, welche dort verstarben, wurden auf eigenen Teilen des Friedhofes begraben. Das SCHWARZE KREUZ ermöglichte vor einigen Jahren die Erneuerung des Friedhofs der Kriegsgefangenen des Ersten Weltkrieges durch großzügige Finanzierung. Die Ausführung der Gestaltung geschah durch die Behörden JELABUGAS und wie wir uns überzeugen konnten, ist sie wirklich würdevoll gelungen. Unsere Delegation wurde dort von Frau Vizebürgermeisterin RYBAKOVA und den Damen Direktorin RUDENKO und Direktorin VALITOVA empfangen. Gemeinsam legten wir Blumen nieder, gedachten der Verstorbenen und DR KOPPENSTEINER hielt eine Ansprache. Nach einer Gedenkminute begaben wir uns zum anderen Teil des Friedhofes, auf welchem die toten Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges ruhen. Auch hier hielten wir inne, sprachen ein Gebet und den Dank eines Überlebenden aus, zündeten Kerzen an. Wir danken der Familie, die ehrenamtlich diesen Teil des Friedhofs immer sauber hält.

Der Vormittag endete mit dem Besuch des kleinen Museums der Schriftstellerin Marina TSVETAJEVA, deren tragisches Leben durch Selbsttötung endete.

Am Rückweg schauten wir kurz vom Archäologie-Komplex auf den Fluss Kama und die Stadt.

Nach dem Mittagessen führte man uns durch das Museums-Quartier von JELABUGA. Zuerst gingen wir durch die Geschichte der Region. Man zeigte uns Natur- und Urgeschichte und deren weitere Entwicklung. Im Mittelalter hatten sich Händler angesiedelt, deren spätere Lebensform durchaus vergleichbar mit bürgerlichen Familien unseres Landes ist. Einer dieser Bürger  ist auch uns bekannt: der Neurochirurg und Forscher BECHTEREV. Auch sein Haus besichtigten wir als Museum.

Zuletzt führte uns der Weg durch das Museum des Malers SCHISCHKIN, von welchem wir Kupferstiche und Ölbilder sehen konnten, die die ruhigen Moorlandschaften der Umgebung darstellen.

Der Abend war dann lebhaft! Wir fuhren zum Museum DUROVAS, wo man ihren Geburtstag und das 25-Jahr Jubiläum feierte. Der Rundgang durch das Gebäude wurde von Frau Direktorin Valitova präsentiert und erklärt. Danach erwartete uns ein Fest mit Liedern, einem Theaterdialog und Musik. Im Hof des Hauses gab es einen Zinngießer in Aktion, ein Teehaus mit süßen und salzigen Köstlichkeiten ( es schmeckt fast immer anders als erwartet ) und zu später Stunde eine Feuerstelle zum Wärmen. Vorne aber, im Zelt, da bogen sich die Tische des Buffets mit wunderbaren Salaten, Täschchen, Röllchen, Törtchen in herrlichster Art der tatarischen Gastlichkeit. Dazu trank man Kompott ( Saft von Dörrfrüchten), Brottrunk oder Wodka mit Kren. Zu fortgeschrittener Zeit wurde gesungen und im Kreis getanzt. So viel Fröhlichkeit und Lebensfreude war da zu spüren! Glücklich stiegen wir in unseren Bus, da kam noch eine junge Frau, die uns Äpfel schenkte – duftende Naturäpfel…

Freitag, 21.September

Frisch gestärkt ging es um 9:30 Uhr los nach NABEREZHNYE CHELNY. Früher war da ein kleines Fischerdorf mit einer Fähre, der fremde Name bedeutet also Überfuhr – wie in Salzburg. Wegen der günstigen Verkehrslage beschloss man in Sovjet-Zeiten hier Industrie aufzubauen: Brot und Gebäck-, Papier- sowie Elektro-Industrie. Dazu errechnete man den Bedarf an Arbeitskräften, Wohnungen und Versorgung und stampfte all das aus dem Boden. Später kamen andere Industriekomplexe dazu, z.B. Fahrzeuge.

Heute nähert man sich der Stadt auf einer geraden mehrspurigen Einfallstraße an deren Rändern man die riesigen Plattenbauten der Industriearbeiter sieht. Im Ortszentrum gibt es einen MAIDAN mit Teich und Skulpturen – und MAC DONALDS.

Uns zog es weiter zum Werk der KAMAS LKWs. Schon auf dem Parkplatz fielen uns lauter neue und eher teure Autos auf. Ein Produktionshallen-Gebäude, das wir entlang fuhren, hat eine Länge von 1600m! Einer der Direktoren erklärte uns die Erfolge der Wagen und ihrer Fahrer. Mehrmals schon fanden sie sich auf den vordersten Rängen der DAKAR RALLYE. Nach solchen Wettbewerben werden die Fahrzeuge ins Werk zurückgeholt, zerlegt und analysiert. Daraus erfolgt die Verbesserung der abgenützten oder gebrochenen Teile für die nächsten Bewerbe. Als Salzburger fielen uns die Logos von RED BULL und LIEBHERR auf. Die Fahrergehäuse der Wagen gleichen jenen von STEYR – und der technische Direktor, welcher uns zur Führung begrüßte, stammt aus STEYR! Die Montageschritte erfolgen hier noch in Handfertigung, jedoch gibt es bereits einen Versuchsroboter. Eine Kapazitätssteigerung bei weniger Arbeitskräften beinhaltet aber eine soziale Fragestellung. Zwar sind die Löhne nicht sehr hoch ( ca 500 € ), aber sie gewähren sozialen Frieden.

Nach herzlicher Verabschiedung fuhren wir weiter zu einer Orgelhalle. Wir hörten eine Klangprobe und wer wollte dufte selbst probieren. Etwas Zeit blieb noch um kleine Einkäufe in JELABUGA zu machen. So endete unser letzter Besichtigungstag.

Samstag, 22.September

Um 10 Uhr holte uns der Taxibus für die dreistündige Rückfahrt in die Hauptstadt KAZAN.

Durch alle die Tage hatte Mag TCHOURLINA für uns gedolmetscht: nicht nur während der Führungen, sondern auch während der Busfahrten konnten wir Fragen stellen, die die Führerinnen oder die Taxifahrer beantworteten. Durch diese zusätzliche Mühe Allas konnten wir Einblicke gewinnen, die einem durchschnittlichen Reisenden verwehrt bleiben! So erzählte eine der Führerinnen ein sehr persönliches Familienschicksal ihres Großvaters. Von anderen erhielten wir Blicke ins Alltagsleben.

Der Nachmittag und Abend waren zur freien Verfügung und so bummelten wir durch die Touristenzone der Baumann Straße, gönnten uns noch einmal tatarische Suppen, Täschchen und Tee. Auch das letzte Geld sollte noch verjubelt werden…Der Samstagabend endete mit einem Straßenfest und Musik.

Sonntag, 23. September

Zeitig standen wir bereit und beobachteten einen Straßenkehrer, der kehrte, wo alles sauber war. Um 7:30 Uhr holte uns das Taxi und brachte uns zum Flughafen KAZAN.

Pünktlich um 10:10 Uhr verließen wir das gastliche TATARSTAN mit vielen schönen und interessanten Erinnerungen im Gedächtnis – am schönsten ist die Herzlichkeit und Lebensfreude dieser Menschen.

Unser Flug führte uns wieder nach Moskau und Wien. Dort kamen wir um Sekunden zu spät zum Boardig-Schalter und so mussten wir umgebucht werden. Nach einem beruhigenden Abend-Imbiss konnten wir doch noch starten und trotz Sturmwarnung gut in Salzburg landen.

Danke euch allen für diese fröhliche Gemeinschaft in der Gruppe, dir liebe Alla, für deinen unermüdlichen Dauereinsatz und dir lieber Bruno, für deine fürsorgliche Reisevorbereitung und umsichtige Leitung!