Ein paar Tage im November 1918 (1)

Der November 1918 war in Salzburg und in Österreich eine ereignisreiche Zeit. Der nachfolgende Auszug aus Forschungsliteratur und aus Zeitungsmeldungen zeichnet ein Bild davon:

1. November

Die provisorische deutschösterreichische Nationalversammlung ruft alle Frontsoldaten zu Ordnung, Manneszucht und Gehorsam auf und verspricht im Gegenzug die rasche, ordnungsgemäße Demobilisierung.

2. November

Um 11 Uhr findet im Hofraum der Franz-Josefskaserne (ehemals zwischen Paris-Lodon-Straße und Schrannengasse) die Angelobung der „deutschen Truppen“ der Stadt Salzburg statt. Nationalratsabgeordneter und Staatsnotar Julius Silvester verliest die Gelöbnisformel.

3. November

Die provisorische Salzburger Landesversammlung konstituiert sich. Das ehemalige Kronland Salzburg nennt sich ab sofort Land Salzburg und vollzieht als gesonderte, eigenberechtigte Provinz des Staates Deutsch-Österreich den Beitritt zu diesem Staate.

Der Magistrat Salzburg ruft mit zunächst geringem Erfolg zur Bildung einer lokalen Volks-(=Bürger-)wehr auf.

5. November

Am Gnigler Bahnhof kommt es zu kleineren Schießereien zwischen den Ortswehren und durchziehenden Soldaten. Am Aigner Bahnhof kommt es zu Plünderungen.

Der Salzburger Nationalrat ruft die Bevölkerung zu Spenden für die durchziehenden Soldaten auf, um Plünderungen und Diebstähle zu vermeiden.

Auch der Salzburger Soldatenrat ruft am 5. November und wiederholt an den Folgetagen zur Dienstleistung in der Volkswehr auf.

6. November

Insgesamt 16, am Zugdach mitfahrende Soldaten erleiden bei der Fahrt von Innsbruck nach Salzburg tödliche Verletzungen.

Über den Katschberg und den Tauern ziehen mehrere tausend Soldaten mit Autos und zu Fuß Richtung Ennstal. Die Behörden sorgen sich um die Verpflegung der Bevölkerung.

In Salzburg werden rund 1000 von der Front kommende Autos beschlagnahmt und vorläufig im Kaiser Franz Josefspark untergebracht.

Nachdem es im Zuge der Beteiligung der Zivilbevölkerung aus der Stadt und Umgebung Salzburgs an Plünderungen am Rangierbahnhof Gnigl kommt und dabei bereits mehrere Personen angeschossen und verletzt wurden, wird das Betreten für dort Nichtbeschäftigte verboten.

7. November

Bayerische Truppen haben die wichtigsten Punkte der Tauernbahn, vor allem im Pongau zwischen Bischofshofen und Gastein besetzt. Weiters sichern sie bei Radstadt die Bewegungslinie ins Ennstal.

Das Salzburger freiwillige Schützenbataillon erreicht seine Heimat Salzburg.

8. November

Feldmarschalleutnant Adolf von Boog, ehemaliger Kommandant der 4. Infanteriedivision, wird zum Oberbefehlshaber der deutschösterreichischen Volkswehr ernannt.

10. November

Aufrufe der Salzburger Landesregierung in den Zeitungen brachten 1095 Mann in die Reihen der neuen Volkswehr mit Kommando im Schloss Mirabell.

12. November

Das k.u.k Kriegsministerium wird in das liquidierende Kriegsministerium umgewandelt und dem deutschösterreichischen Staatsamt für Heerwesen unterstellt..

15. November

Erlass des Staatsamtes für Heerwesen zur Ausgestaltung der Volkswehr: „In Deutschösterreich gibt es nur eine deutschösterreichische Volkswehr“.