Ein Salzburger Heiduckensäbel

Harald W. Gredler

Oben abgebildet ist ein Säbel des Typs Husarensäbel im Rokokostil mit prächtigen Verzierungen. – Gesamtlänge 84,5 cm. -Klingenlänge: 69,5 cm. Diese Waffe ist eindeutig dem Salzburger Fürsterzbischof Hieronymus von Colloredo (1732-1812) zuzuordnen. Die Griffkappe in Gold zeigt sein erzbischöfliches Wappen.  Damit ist diese Waffe auch zeitlich einzuordnen: Colloredo hat von 1772 bis 1800 in Salzburg gewirkt. Die Waffe trägt keinerlei Markenzeichen.  Auch sind keine weiteren Stücke bekannt, der Säbel ist ein Unikat.

Ursprung der Waffe?

Der Ursprung dieser Waffe könnte folgendermaßen zu erklären sein:

  • Es trug ihn ein hoher Offizier des Salzburger Militärs.
  • Er war ein Ehrensäbel als Geschenk an einen Offizier für außergewöhnliche Taten.
  • Es war die Griffwaffe des Kommandanten der Salzburger Heiduckengarde.

Ich neige letzterer Erklärung zu. Das Salzburger Militär bestand aus einem bewaffneten Körper von etwa 1.500 Mann.  Ab 1800 mussten nach der Besetzung alle Bestände der Salzburger Arsenale als Reparationszahlungen an Bayern und Frankreich abgeführt werden. Die Waffen wurden verkauft, nur wenige Stücke sind erhalten geblieben und sind daher Raritäten.

Die erzbischöfliche Heiduckengarde

Die Salzburger Fürsterzbischöfe unterhielten in ihrem hochfürstlichen Hofstaat eine Leibgarde mit sieben Mann Primaplana und 30 Karabiniers, 20 Trabanten sowie 8 Reitknechten und daneben noch eine siebenköpfige Heiduckengarde. Heiducken (auch Heyducken oder Heidonen) waren eine ungarische leichte Infanterie, die im Zuge der Erweiterung des königlichen Heeres unter Matthias Corvinus (1443-1490) wegen des zunehmenden Expansionsdruckes des Osmanischen Reiches vornehmlich aus Viehhirten rekrutiert wurde. Sie trugen keine Uniformen, sondern die volkstümliche Kleidung der Landbevölkerung. Als Bewaffnung führten sie Handrohre, Säbel und Hacke (Fokos). Ein Umhang „Kutza“ als Witterungsschutz kompletierte die Ausrüstung. Davonleitet sich die „Kotze“ als dicke Wolldecke her. Diese leichte Infanterie bot sich Kriegsunternehmern auch als Söldner an. Das hat zu ihrem zwiespältigen Ruf beigetragen. Im 18. Jahrhundert ist es dann überhaupt zu einem Bedeutungswandel dieses Wortes gekommen: Als Heiducken bezeichnete man sowohl Gerichtsdiener und die Trabanten von Magnaten als auch Räuberbanden. An den europäischen Fürstenhöfen kamen nach der Befreiung Ungarns von der osmanischen Herrschaft morgenländische Attribute in Mode: Der Kaffee und das dem Halbmond nachgeahmte Kipferl fanden Eingang ins Bürgertum. Mozart schrieb seine Oper „Entführung aus dem Serail“. Gegenstände aus der Türkenbeute dienten der höfischen Dekoration, der orientalisierende Baustil kam verbreitet zum Einsatz  –  und Fürsten hielten sich eine als besonders tüchtig geltende orientalische Leibgarde. Der Salzburger Fürsterzbischof eben eine Heiduckengarde. Auch im kaiserlichen Kriegswesen spielten diese Völker als Kroaten und Panduren eine gewichtige Rolle als Freitruppen, die sich in den Erbfolgekriegen auch glänzend bewährten. Der hier vorgestellte Heiduckensäbel hat aller Wahrscheinlichkeit nach dem Kommandanten dieser Heiduckengarde gehört.