Reisetipps

Riva am Gardasee

(Quelle: Riccadonna D., Zattera M.: Sentieri di Confine, Museo Storico Italiano della Guerra, Rovereto, 2008)

Das Nordende des Gardasees war bis 1918 österreichisch und gewann nach dem Verlust der Lombardei 1859 und noch mehr nach 1866 strategische Bedeutung als möglicher Zugang nach Norden (neben dem Etschtal). Ab 1860 wurde daher von der österreichischen Geniedirektion eine große Zahl von Sperrwerken errichtet, wozu das Gelände ausgezeichnete Voraussetzungen bot. Schließlich war das Gebiet so stark befestigt, dass es während des ersten Weltkrieges nie ernsthaft angegriffen wurde.

 

 

Besonders geeignet für Sperren ist der Monte Brione (in der Bildmitte) weil von ihm aus ein großer Teil des Südostufers bestrichen werden kann.

 

 

 

 

 

    

 

Von Riva aus führt ein Ausflug von drei bis vier Stunden  mit etwa 350 Höhenmetern auf diesen Berg (Ausgangspunkt Werk San Nicolò beim Jachthafen von RivaDer Monte Brione ist auch durch die schönen Ausblicke auf den See landschaftlich reizvoll und durch seine Vegetation bemerkenswert (Olivenbäume und Steineichen). Der Weg auf dem Kamm des Monte Brione führt entlang der verschiedenen Arten von Befestigungen, die in den Jahren von 1860 bis 1917 gebaut wurden.


 

 

Das Werk San Nicolò gehört zur ersten Generation (Talsperren), erbaut 1860 -62, im 1. Weltkrieg durch die Torbolebatterie, die Felsbatterie und die Südbatterie (Granatwerfer) verstärkt, diente als Straßensperre (Riva - Torbole).
Heute in bestem Zustand, dient als Bürogebäude, nicht zu besichtigen.

 

 

 

 

 


Das Garda-Werk ist ein Beispiel für die vierte Generation von Befestigungen (Panzerforts): erbaut von 1904 bis 1907, Stahlbeton, 4 Panzerkuppeln mit 10-cm-Haubitzen. Das Fort war gut ans Gelände angepasst und getarnt. Besatzung bis 200 Mann.

 

 

 

Vom Kehlgraben ging eine lange Galerie mit Beobachtungspunkten in der Wand des Mt. Brione aus. Nahverteidigung mit Gewehr- und MG-Stellungen, Granatwerfern.
 

 

         

          

Zustand: Baukörper vorhanden, vollkommen desarmiert (die Italiener waren hinter jedem Stück Stahl her). Betonhügel zeigen noch die Punkte der Kuppeln. Inneres nicht zu besichtigen

 

 

 

 

 


 

Die Mittelbatterie entspricht der dritten Generation von Befestigungen: Gebirgsforts. Erbaut 1998 - 1900. Da die Talsperren nicht ausreichten, um das Gebiet zu kontrollieren, wurden auf den Höhen Forts mit Stahlbetondecken errichtet, während der übrige Bau aus großen Steinblöcken, zum Teil aus massivem Granit bestand. Bewaffnung: 4 12-cm-Kanonen M 1876, 2 kleinere in Richtung See. Nahverteidigung: eingebaute MG- und Gewehrstellungen. Besatzung bis 150 Mann

Zustand: Baukörper intakt, Zugang ins Innere nicht möglich

 

 

 

 

  
Stirnseite

  
 Granitblock von der Stirnseite                               Scharten der Nahverteidigung

 


Die Nordbatterie (Forte Sant'Alessandro) ist eine Art Befestigung, wie sie nur im Trientiner Gebiet vorkommt (2. Generation): 1880/1881 errichtet; einfache, leichte Bauweise mit Steinblöcken; 4 Geschütze M 1876 (12 cm) in offener Stellung.  1908, 1911 modernisiert (Funkstation, Pulverlager), Bewaffnung im Krieg verstärkt mit 4 15-cm-Kanonen, Fliegerabwehrwaffen. Besatzung: 50 Mann
Zustand: Ruinen

     


Eine Weiterentwicklung der Forts (5. Generation) stellt die so genannte Ponalesperre dar, die im Verlauf der alten Ponalestraße in fünf Ebenen in den Berg hineingebaut wurde:

    


  Eine weitere Festungsanlage aus den Sechzigerjahren des 19. Jahrhunderts sollte den Pass von Nago (Übergang ins Etschtal) sichern und bestand aus zwei Gebäuden, die heute in ausgezeichnetem Zustand sind und Restaurants beherbergen ("Custode dei sapori").

  


Überall in der Gegend um den Gardasee finden sich Befestigungsanlagen und Spuren der Monarchie, zum Beispiel die Befestigung Colle di Santo Stefano bei Bezzecca im Ledrotal, heute zu einer Gedenkstätte (auch für die Kämpfe von 1866 gegen die Garibaldiner) umgestaltet.

  

  


Eine weitere Talsperre aus dem 19. Jahrhundert findet sich bei Ninfo am Idrosee

  


 

 

 

Zeugnis der Tätigkeit der österreichischen Gardaseeflotille in Gargnano: