Kurt
Anton Mitterer
Der
Feldzug gegen Napoleon von 1809 - Die Gefechte in Stadt und Land Salzburg
Erschienen in: Salzburger Volkskultur, 28. Jahrgang, November
2004,
hrsg. von Angelika Kromas und Lucia Luidold, Landesverband Salzburger Volkskultur,
Salzburg 2004, S. 10 - 16.
Salzburg - eine österreichische Provinz (1806-1809)
Nach der verlorenen "Dreikaiserschlacht" von Austerlitz am 2. Dezember
1805 sah sich Österreich gezwungen, einem schmerzvollen Friedensvertrag
in Pressburg (26. Dezember 1805) zuzustimmen. Zahlreiche Territorien gingen
verloren. Die Zusammenführung von Salzburg und der ehemaligen Fürstpropstei
Berchtesgaden mit der Habsburgmonarchie bedeutete nur eine sehr bescheidene
Entschädigung für die erlittenen Gebietsverluste. Der Salzburger Kurfürst
Ferdinand III. musste sich mit dem Fürstentum Würzburg zufrieden geben
.
Die Huldigung an den neuen Herrscher Kaiser Franz I. erfolgte erst am 17. März
1806 nach dem Abzug des VI. Französische Korps, das seit dem 12. Januar
1806 das unter Marschall Ney in Salzburg garnisonierte . Skandalöse Requirierungen
durch die Besatzer blieben den Salzburger Bürgern noch lange in schlechter
Erinnerung . Österreichische Gesetze bekamen nun Gültigkeit, die Salzburger
Regierungseinrichtungen wurden den Wiener Zentralstellen unterstellt. Das verbliebene
bzw. beurlaubte Salzburger Militär gliederte man mit Wirkung vom 1. Mai
in das in Salzburg neu stationierte k.k. Infanterieregiment Nr. 46 "Neugebauer"
ein . Mit 9. Juni 1808 errichtete man die Salzburger Landwehr. Die Eingliederung
der Salzburger Landwehrbataillone in die kaiserlichen Streitkräfte erfolgte
noch in der Winterzeit. Erst am 9. April 1809 fand unter großer Anteilnahme
der Bevölkerung am Residenzplatz die feierliche Angelobung mit Fahnenweihe
statt. Zwei Tage zuvor, am 9. April 1809, hatte Österreich Frankreich den
Krieg erklärt .
Österreich gegen Napoleon 1809
Im Besitz einer von Erzherzog Karl reformierten, schlagkräftigen und
gut ausgerüsteten Armee, sah sich Kaiser Franz I. - in Übereinstimmung
mit dem verbündeten England - veranlasst den Krieg zu wagen, um die erschütterte
Großmachtstellung wiederherzustellen. Napoleon reagierte zur Überraschung
aller ungemein dynamisch und schlug die Kaiserlichen Armeen im Großraum
Regensburg. Erzherzog Karl musste sich mit dem Gros der Hauptarmee nach Böhmen
zurückziehen, während der Rest unter Feldmarschall-Leutnant Baron
Hiller über Landshut zurück an den Inn marschierte . An den Nebenfronten
waren die Österreicher erfolgreicher. Erzherzog Ferdinand hatte Warschau
erobert, die Armee Erzherzog Johanns schlug bei Sacile und Fontana-Fredda den
Vizekönig von Italien, Eugen Beauharnais, zurück .
Kampf um Salzburg
Bei Eröffnung des Feldzuges in Deutschland war zur Deckung der linken
Flanke der im Donautal operierenden österreichischen Hauptarmee Feldmarschall-Leutnant
Franz Baron Jellachich von Salzburger Gebiet aus mit seiner Division auf München
vorgestoßen. Zusätzlich sollte Jellachich auch die Verbindung zu
den nach Tirol einrückenden österreichischen Kräften herstellen
und aufrecht halten. Nach den Ereignissen bei Regensburg war jedoch Jellachich
gezwungen, am 23. April unverzüglich den Rückzug von München
auf Salzburg anzutreten. Mit 25. April 1809 ist der von seinem vorgesetzten
Kommandanten, Feldmarschall-Leutnant Baron Hiller, abgefasste Befehl datiert,
der heute im Österreichischen Staatsarchiv/Kriegsarchiv einsehbar ist.
Dieser Befehl, bezeichnet als Hauptentwurf zur Verteidigung des Herzogthums
Salzburg und Erzherzogthums Österreich ob der Enns , enthält alle
Aufträge für einen der militärischen Lage angepassten Verzögerungskampf,
der schließlich an den nördlichen Alpeneingängen in einer nachhaltigen
Verteidigung gipfeln sollte. Als Verstärkung bekam Jellachich die vier
Salzburger sowie drei Hausruckviertler Landwehrbataillone unterstellt.
Die raschen taktischen Erfolge der Franzosen und ihrer Verbündeten erzwangen
jedoch ein beschleunigtes Zurückweichen der Truppen Jellachichs und so
versammelte er bereits am 29. April ab 9 Uhr vormittags seine 9.200 Mann starken
Streitkräfte im Großraum Salzburg .
Gemäß Auftrag im Verteidigungsplan hatte er zunächst die Stadt
Salzburg so lange wie möglich zu halten und in weiterer Folge die Gebirgszugänge
in die Steiermark für den Feind zu sperren. Er ließ mit Schwergewicht
seine Truppen denselben Stellungsraum wie seinerzeit Erzherzog Johann im Dezember
1800 besetzen, nämlich vom Walserberg beginnend bis zur Saalach-Salzachmündung
. Als Verstärkung stand von der Salzburger Landwehr das 3. Bataillon auf
Vorposten am rechten Saalachufer gegenüber Salzburghofen und Freilassing,
das 2. Bataillon zwischen Glanegg und Grödig zur Deckung der Bewegungslinie
nach Berchtesgaden und das 4. überwachte die Bewegungslinie von der Stadt
nach Aigen. An Jellachichs rechter Flanke, bei Bergheim schanzte bereits seit
dem 28. April das 1. Bataillon der Salzburger Landwehr und erweiterte so die
schon während des Krieges von 1805 gegrabenen Feldbefestigungen. Zur Sicherung
dieser Flankenstellung erhielt die Landwehr noch zusätzliche Infanteriekräfte
zur Verstärkung .
Konzentrisch, aus Norden und Westen vorgehend, griffen am 29. April 1809 in
der Früh Vorausabteilungen des von Marschall Francois Joseph Lefebvre,
dem Herzog von Danzig, geführten 27.000 Mann starken VII. französischen
Korps Salzburg an . Hauptbestandteil dieses französisch geführten
Korps waren die drei verbündeten bayerischen Divisionen. Die zahlenmäßige
Unterlegenheit der Österreicher wurde durch das Fehlen von Artilleriekräften
und zusätzlicher logistischer Probleme weiter verschärft und konnte
nur zum Teil durch Ortskenntnisse, Geländevorteil und Feldbefestigungen
ausgeglichen werden. Nach heftigen Kämpfen während des ganzen Tages,
vor und in der Stadt Salzburg, gelang es Jellachich - nach Zufügen von
großen Verlusten - sich vom Feind zu lösen und über Hellbrunn
nach Hallein zu marschieren, um dort eine neue Verzögerungsstellung aufzubauen
. Erst gegen 17 Uhr zog eine bayerische Division unter Generalleutnant Wrede
mit 8.000 Mann und 30 Geschützen vom Linzertor her ins Stadtzentrum ein.
In der Stadt machten die Besetzer reiche Beute an Proviant, Munition und Ausrüstungen.
Auf Befehl Lefebvres ging man unverzüglich daran, die Stadt in Verteidigungszustand
zu bringen, um gegen etwaige Bedrohungen aus den Gebirgsgauen gewappnet zu sein.
In den folgenden Wochen mussten für die umfangreichen Befestigungs- und
Rodungsarbeiten auf Landeskosten täglich 400 Zivilarbeiter gegen Taglohn
den französischen Ingenieuroffizieren zur Verfügung gestellt werden.
Requisitionen, Kirchen- und Gebäudebeschlagnahmungen für militärische
Zwecke belasteten die Stadtverwaltung ungemein. Auch die Versorgungslage gestaltete
sich für die Zivilbevölkerung aufgrund der Bedürfnisse der Besatzer
laufend angespannter .
Aber auch Jellachich musste wegen Nahrungsmittelknappheit einen Teil seiner
Truppen abgeben und in die Steiermark schicken. Eindrucksvoll meldet Jellachiche
an sein Korpskommando: ... Das Pongau, unvermögend die eigenen Einwohner
zu ernähren, liefert nicht einmal das nöthige Heu, an Brod und Hafer
ist gar nicht zu denken, ich weiß mir folglich nicht anders zu helfen,
als indem ich einen Officier nach Radstadt beordere um alle erdenklichen Anstalten
zu treffen, Lebensmittel aus dem oberen Ennsthal und Steiermark zu schaffen.
..."
Bis zum 1. Mai 1809 dislozierte Jellachich seine Stabstruppen und Reserven in
Radstadt, sperrte den Pass Lueg und das Lammertal, konzentrierte zusätzliche
Kräfte jeweils in der Tiefe im Salzachtal bis nach St. Johann i.P. bzw.
im Lammertal bei Abtenau und Annaberg und ließ die "Franzosenschanze"
bei St. Gilgen besetzen.
Kämpfe am Pass Lueg
Inzwischen war die französische Hauptarmee schon über den Inn
in breiter Front in Oberösterreich angekommen und kurz vor Linz in Richtung
Wien im Vormarsch. Napoleon hatte indessen Lefebvre befohlen, den Pass Lueg
offen zu halten, um später - wenn wieder Streitkräfte disponierbar
wären - durch diesen Pass 40.000 Mann über Kärnten nach Tirol
einrücken zu lassen. Denn dort war der Volksaufstand unter Andreas Hofer
inzwischen erfolgreich verlaufen und österreichische Truppen zogen bereits
am 15. April unter dem Jubel der Bevölkerung in Innsbruck ein .
In Salzburg schickte Lefebvre den bayerischen Generalmajor Stengel mit einer
Brigade über Golling gegen den Pass Lueg. Nachdem am 1. Mai im Pass zwei
Angriffe durch die sich hartnäckig verteidigenden Österreicher abgewiesen
wurden, beschloss Lefebvre den Pass, nach Zuführung weiterer Kräfte,
durch eine Umgehung über Abtenau einzunehmen.
Am 4. Mai um 3.30 Uhr früh trafen die Bayern westlich von Abtenau auf die
Österreicher. Aufgrund der zahlenmäßigen Überlegenheit
der Angreifer mussten die Truppen von Jellachich nach mehrstündigem Feuergefecht
ihre Stellungen räumen und konnten sich erst 3 km ostwärts von Abtenau
am Weg nach Annaberg, wo bereits Verstärkungen warteten, festsetzen.
Am 5. Mai wurde sowohl am Pass Lueg, als auch in Abtenau heftig gekämpft
. Auf beiden Kriegsschauplätzen waren die österreichischen Soldaten
siegreich. Die Bayern mussten nicht zuletzt deshalb vom Lueg ablassen, weil
Jellachich unter Einsatz all seiner Reserven, die er aus Radstadt heranführte,
den Umgehungsversuch der Bayern über Abtenau - Annaberg zum Scheitern brachte.
Mit 6. Mai gaben dann die Bayern ihr Vorhaben auf und begannen den Rückzug
auf Golling. Lediglich ein Infanteriebataillon verblieb an der Lammerbrücke
und ein Zug leichter Jäger besetzte die Kroatenhöhle. Am 10. Mai zogen
auch diese Kräfte Richtung Golling bzw. nach Hallein wieder ab. Die bayerischen
Gesamtverluste werden in den Berichten mit 1.300 Mann, die der Österreicher
bei 270 Mann angegeben .
Jellachich ordnete am 6. Mai von Radstadt aus die von den Pfleggerichten nur
lässig betriebene Aufstellung der Landesaufgebote binnen kürzester
Frist an. Nachdrücklich forderte er, dass man die "Ausreisser"
der Landwehr sofort zu ihren Bataillonen zurückschicken solle . Die Resonanz
auf diesen Aufruf war aber recht bescheiden. So brachte der Pongau nur 102 Schützen
und 700 Landstürmer auf die Beine. Ein Teil dieser Leute diente unter dem
Stegenwaldner-Wirt Joseph Struber und wurden zur Besetzung der Seitenwege des
Passes Lueg eingesetzt. Der Landwehrhauptmann Reisigl setzte die verbliebenen
Schützen und Landstürmer zur Sicherung der Zugänge von Bischofshofen,
Mühlbach, Filzensattel, Dienten, Goldeck und Taxenbach ein.
Nach den missglückten Angriffen auf den Pass Lueg entschloss sich Lefebvre
seine Rückeroberung Tirols einerseits über Traunstein und Kufstein,
andererseits über Lofer und den Pass Strub voranzutreiben. Trotz der am
Pass Strub und Luftenstein erlittenen großen Verluste des VII. Französischen
Korps kämpfte sich Lefebvre nach weiteren gewonnenen Gefechten gegen die
österreichischen Truppen unter Feldmarschall-Leutnant Marquis de Chasteler
und die aufständischen Tiroler erfolgreich nach Innsbruck durch, wo er
am 19. Mai einmarschierte . Da der Widerstand in Tirol nun gebrochen und die
Ruhe im Lande wieder hergestellt schien, rückte Lefebvre mit einem Teil
seiner Soldaten wieder auf Salzburg.
Als Jellachich vom Vorstoß von Teilen des VII. Französischen Korps
nach Tirol und vom Fall des Passes Strub erfuhr, schickte dieser zur Sicherung
des Pinzgaues Teile seiner Truppen gegen Saalfelden. Mit Ausnahme einiger Scharmützel,
die am 13. bis 15. Mai in der Gegend von St. Gilgen stattfanden, blieb Jellachich
in seinen Stellungsräumen unangefochten. Auf Befehl von Erzherzog Johann,
der sich mit seiner Südarmee auf dem Rückmarsch aus Italien befand,
verließ Jellachich mit seiner Division das Salzburger Gebirgsland am 20.
Mai mit Ziel Graz .
Widerstand im Gebirge
Nach dem Abzug der österreichischen Truppen lösten sich die Aufgebote
des Salzburger Gebirgslandes auf, nicht ohne vorher gemäß der "Unterwerfungsakte
der Pfleggerichte" ihre Gewehre abzugeben . Auch die Demolierung der Befestigungsanlagen
im Pass Lueg wurde von den Besatzern angeordnet. Dem kam man von Seiten der
Gemeinden, welche die Arbeitskräfte abzustellen hatten, nur sehr zögernd
nach.
Nach den Kämpfen am Bergisel und den von Andreas Hofer erzwungenen abermaligen
bayerischen Rückzug aus Tirol sowie ermutigt durch die Meldung über
den Sieg des Erzherzogs Karl bei Aspern am 21. und 22. Mai, griffen die Pinzgauer
wieder zu den Waffen. Unter der Führung von Anton Wallner , dem vom befreiten
Tirol autorisierten Oberkommandanten des Salzburger Gebirgslandes, wurden überall
im Land, wo sich die Möglichkeit bot, Schützenkompanien in der Stärke
von 100 bis 120 Mann gebildet. Verstärkung erhielten die Salzburger durch
zahlreiche Schützenkompanien aus dem Tiroler Raum. Obwohl die Verteidigungsvorbereitungen
sehr vielversprechend voran schritten, auch gegen den Widerstand einzelner Ortschaften,
wie z.B. Werfen, gelang es dennoch, einer französischen Brigade unbeschadet
in Eilmärschen von Salzburg den Lueg zu passieren und auch über die
folgenden Pässe nach Süden durchzukommen. Am 20. Juli konnten die
Salzburger Landesverteidiger unter dem von Wallner ernannten Kommandanten für
den Pongau, dem Sappeur Ignaz Kettner, bayerische Aufklärungskräfte
am Lueg erfolgreich zurückschlagen.
Nach der für die Österreicher verlorenen Schlacht von Wagram bzw.
nach dem Waffenstillstand von Znaim am 12. Juli 1809, konnte Napoleon an die
Erledigung des Tiroler Problems gehen. Verstärkungen wurden zu Lefebvre
gesandt, der auch sofort den Angriff konzentrisch auf Tirol einleitete. Der
hartnäckige, aber aussichtslose Widerstand am Pass Lueg (24. Juli 1809)
unter Kettner und der Kampf von Anton Wallner an der Halbstundenbrücke
bei Taxenbach (27. Juli 1809) konnte die Angreifer nur kurze Zeit aufhalten.
Wider Erwarten besiegten die Tiroler unter Andreas Hofer in einer weiteren Bergisel-
Schlacht am 13. August Lefebvres Truppen. Ein abermaliger fluchtartiger Rückzug
rettete die französisch-bayerischen Streitkräfte vor der Zerschlagung.
Zuvor vernichteten die Tiroler Schützen und Landstürmer eine ganze
feindliche Division im Eisacktal in der "Sachsenklemme" bei Ladritsch
und es gelang ihnen auch, eine weitere feindliche Abteilung bei der Pontlatzer
Brücke vollständig aufzureiben .
Diese Wende hatte nun auch für das Land Salzburg Folgen. Andreas Hofer
ernannte nun Anton Wallner abermals zum Oberkommandanten im Salzburger Gebirgsland,
mit dem Zusatzauftrag den Pinzgau unmittelbar zu führen. Dem Speckbacher
wies er das Kommando am Pass Strub und Haspinger den Oberbefehl im Pongau zu.
Eine allgemeine Offensive war für den September 1809 von Hofers Unterführern
angesagt. Hofer, aufgrund der noch notwendigen logistischen Vorbereitungen eher
defensiv eingestellt, ließ sich dazu nur zögerlich überreden.
Pater Haspinger überraschte mit 700 Mann die zwei bayerischen Besatzungskompanien
in Werfen und Pfarrwerfen. Hals über Kopf flüchteten die Bayern, die
noch entkommen konnten, in Richtung Lueg. Auch die Festung Werfen konnte mit
Kriegslist im Handstreich genommen werden. Über die Beute von sechs Geschützen
freuten sich die Eroberer.
Laufend schlossen sich viele aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassenen
Soldaten den Schützenkompanien an, sodass sich bei Werfen über 1.000
Mann einfanden. In Radstadt versammelten sich über 700 Landesverteidiger
und auch bei Abtenau, Annaberg sowie St. Martin am Tennengebirge fanden sich
Tiroler und Salzburger Schützenkompanien bzw. Landstürmer in beträchtlicher
Stärke ein. Etwa 4.000 Mann wurden bayerischerseits geschätzt . Lefebvres
Antwort ließ auch nicht lange auf sich warten. Er konzentrierte seit 21.
September starke Kräfte bei Lofer, Unken, Melleck am Lueg und in der Scheffau.
Reservetruppen lagen in Oberalm, Vigaun, Hallein, Kuchl und Golling. Am 25.
September brach die Offensive der Landesverteidiger an allen Fronten los. In
Übereinstimmung mit Speckbachers Angriff auf Lofer erstürmten die
Kompanien Haspingers in schweren Gefechten aus Süden vorgehend und unter
Ausnützen der Umgehungs- und hochalpinen Schleichpfade den Pass Lueg. Von
6 Uhr früh bis gegen 7 Uhr abends dauerten die Gefechte. Besonders hervorgetan
durch gewagte Flankenstöße auf gefährlichen steilen Pfaden hat
sich der Stegenwalder Wirt Josef Struber mit seiner Schützenkompanie. Noch
auf dem Gefechtsfeld am Pass wurde Struber von Haspinger zum Major befördert
und ihm das Kommando über den Pongauer Landsturm übergeben . An der
brennenden Tuschen-Brücke über den Fluss Lammer fand der Angriff sein
Ende. In der Scheffau wurden die Bayern ebenfalls erfolgreich angegriffen und
am Nachmittag zum Rückzug über Golling auf Hallein und Oberalm gezwungen.
Nach Ersetzen der zerstörten Tuschen-Brücke durch eine Schiffbrücke
eroberte Haspinger am 26. September Golling und ließ Aufklärungskräfte
in Richtung Kuchl vordringen. In den Gefechten vor Kuchl und beim Georgenberg
am 27. September waren die Schützen und Landstürmer wiederum erfolgreich
und die Bayern mussten sich nach weiteren Kämpfen im Tauglwald bis hinter
Kaltenhausen zurückziehen. Hallein fiel den Streitern Haspingers am 29.
September kampflos in die Hände . Über den Dürrnberg wurde dann
die Verbindung mit den Schützen Speckbachers hergestellt. Anton Wallner
hatte in Speckbachers Auftrag bereits in Berchtesgaden mit seinen Kämpfern
siegreich Einzug gehalten.
Ein Teil der Schützenkompanien aus dem Tiroler Land rückte nun wieder
in ihre Heimat ab. Auch Haspinger begab sich nach Radstadt und Schladming, um
neue Kräfte für einen Sturm auf die Stadt Salzburg zu gewinnen. Die
Gebirgsschützen, durch ihre jüngsten Erfolge übermütig geworden,
vernachlässigten aufs Gröbste ihre Feindaufklärung und Sicherung.
Dies erkennend, ließ Lefebvre am 3. Oktober 1809 unverzüglich nach
Verstärkung und Umgruppierung seiner Truppen, eine Gegenoffensive starten
. Die Schützen wurden völlig überrascht und zerstoben nach kurzem
Widerstand unter Zurücklassung ihrer Verwundeten und wenigen schweren Waffen
in alle Himmelsrichtungen. Auch Josef Struber wurde von seinen Schützen
plötzlich alleine gelassen. Er konnte sich der Gefangennahme nur dadurch
entziehen, weil er seine militärischen Abzeichen ablegte und als Kellner
verkleidet, die eindringenden Feinde im Oberalmer Wirtshaus bediente .
An diesem Tag kehrte gegen 10 Uhr Haspinger zum Lueg zurück. Er konnte
nur noch Teile seiner Streiter sammeln und den Pass besetzen. Im ganzen Pongauer
Gebiet konnte er nur mehr 800 Kämpfer bei der Stange halten. Haspinger
zog am 17. mit den Tiroler Kompanien über Radstadt nach Kärnten ab,
um dort die Verteidiger unter Joseph Türk zu unterstützen.
Struber übernahm wieder das Kommando über drei verbliebene geschwächte
Kompanien im Pass. Angriffe am 17., 18. und 19. Oktober 1809 konnten erfolgreich
gegen einen übermächtigen Feind abgewehrt werden.
Da Speckbacher am 17. Oktober bei Melleck geschlagen wurde, am 18. der Pass
Strub fiel und am 19. Anton Wallner bei Weißbach kapitulieren musste,
übergab Struber, nun völlig isoliert und bereits von bayerischen Truppen
im Rücken bedroht, am 20. Oktober den Pass Lueg und legte die Waffen nieder.
Mit der Entwaffnung der Schützen und Landstürmer in Abtenau am 22.
Oktober 1809 hatte die Erhebung im Salzburger Gebirgsland ihr Ende gefunden.

Aus: Jung-Ilsenheim, Salzburg im Wandel der Jahrtausende
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Der Feldzug gegen Napoleon von 1809 – Die Gefechte in Stadt und Land Salzburg von Kurt Anton Mitterer
Fassung mit Anmerkungen
Salzburg – eine österreichische Provinz (1806-1809)
Nach der verlorenen „Dreikaiserschlacht“ von Austerlitz am 2. Dezember 1805 sah sich Österreich gezwungen, einem schmerzvollen Friedensvertrag in Pressburg (26. Dezember 1805) zuzustimmen. Zahlreiche Territorien gingen verloren. Die Zusammenführung von Salzburg und der ehemaligen Fürstpropstei Berchtesgaden mit der Habsburgmonarchie bedeutete nur eine sehr bescheidene Entschädigung für die erlittenen Gebietsverluste. Der Salzburger Kurfürst Ferdinand III. musste sich mit dem Fürstentum Würzburg zufrieden geben[1].
Die Huldigung an den neuen Herrscher Kaiser Franz I. erfolgte erst am 17. März 1806 nach dem Abzug des VI. Französische Korps, das seit dem 12. Januar 1806 das unter Marschall Ney in Salzburg garnisonierte[2]. Skandalöse Requirierungen durch die Besatzer blieben den Salzburger Bürgern noch lange in schlechter Erinnerung[3]. Österreichische Gesetze bekamen nun Gültigkeit, die Salzburger Regierungseinrichtungen wurden den Wiener Zentralstellen unterstellt. Das verbliebene bzw. beurlaubte Salzburger Militär gliederte man mit Wirkung vom 1. Mai in das in Salzburg neu stationierte k.k. Infanterieregiment Nr. 46 „Neugebauer“ ein[4]. Mit 9. Juni 1808 errichtete man die Salzburger Landwehr. Die Eingliederung der Salzburger Landwehrbataillone in die kaiserlichen Streitkräfte erfolgte noch in der Winterzeit. Erst am 9. April 1809 fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung am Residenzplatz die feierliche Angelobung mit Fahnenweihe statt. Zwei Tage zuvor, am 9. April 1809, hatte Österreich Frankreich den Krieg erklärt[5].
Im Besitz einer von Erzherzog Karl reformierten, schlagkräftigen und gut ausgerüsteten Armee, sah sich Kaiser Franz I. - in Übereinstimmung mit dem verbündeten England - veranlasst den Krieg zu wagen, um die erschütterte Großmachtstellung wiederherzustellen. Napoleon reagierte zur Überraschung aller ungemein dynamisch und schlug die Kaiserlichen Armeen im Großraum Regensburg. Erzherzog Karl musste sich mit dem Gros der Hauptarmee nach Böhmen zurückziehen, während der Rest unter Feldmarschall-Leutnant Baron Hiller über Landshut zurück an den Inn marschierte[6]. An den Nebenfronten waren die Österreicher erfolgreicher. Erzherzog Ferdinand hatte Warschau erobert, die Armee Erzherzog Johanns schlug bei Sacile und Fontana-Fredda den Vizekönig von Italien, Eugen Beauharnais, zurück[7].
Bei Eröffnung des Feldzuges in Deutschland war zur Deckung der linken Flanke der im Donautal operierenden österreichischen Hauptarmee Feldmarschall-Leutnant Franz Baron Jellachich von Salzburger Gebiet aus mit seiner Division auf München vorgestoßen. Zusätzlich sollte Jellachich auch die Verbindung zu den nach Tirol einrückenden österreichischen Kräften herstellen und aufrecht halten. Nach den Ereignissen bei Regensburg war jedoch Jellachich gezwungen, am 23. April unverzüglich den Rückzug von München auf Salzburg anzutreten. Mit 25. April 1809 ist der von seinem vorgesetzten Kommandanten, Feldmarschall-Leutnant Baron Hiller, abgefasste Befehl datiert, der heute im Österreichischen Staatsarchiv/Kriegsarchiv einsehbar ist. Dieser Befehl, bezeichnet als Hauptentwurf zur Verteidigung des Herzogthums Salzburg und Erzherzogthums Österreich ob der Enns[8], enthält alle Aufträge für einen der militärischen Lage angepassten Verzögerungskampf, der schließlich an den nördlichen Alpeneingängen in einer nachhaltigen Verteidigung gipfeln sollte. Als Verstärkung bekam Jellachich die vier Salzburger sowie drei Hausruckviertler Landwehrbataillone unterstellt.
Die raschen taktischen Erfolge der Franzosen und ihrer Verbündeten erzwangen jedoch ein beschleunigtes Zurückweichen der Truppen Jellachichs und so versammelte er bereits am 29. April ab 9 Uhr vormittags seine 9.200 Mann starken Streitkräfte im Großraum Salzburg[9].
Gemäß Auftrag im Verteidigungsplan hatte er zunächst die Stadt Salzburg so lange wie möglich zu halten und in weiterer Folge die Gebirgszugänge in die Steiermark für den Feind zu sperren. Er ließ mit Schwergewicht seine Truppen denselben Stellungsraum wie seinerzeit Erzherzog Johann im Dezember 1800 besetzen, nämlich vom Walserberg beginnend bis zur Saalach-Salzachmündung[10]. Als Verstärkung stand von der Salzburger Landwehr das 3. Bataillon auf Vorposten am rechten Saalachufer gegenüber Salzburghofen und Freilassing, das 2. Bataillon zwischen Glanegg und Grödig zur Deckung der Bewegungslinie nach Berchtesgaden und das 4. überwachte die Bewegungslinie von der Stadt nach Aigen. An Jellachichs rechter Flanke, bei Bergheim schanzte bereits seit dem 28. April das 1. Bataillon der Salzburger Landwehr und erweiterte so die schon während des Krieges von 1805[11] gegrabenen Feldbefestigungen. Zur Sicherung dieser Flankenstellung erhielt die Landwehr noch zusätzliche Infanteriekräfte zur Verstärkung[12].
Konzentrisch, aus Norden und Westen vorgehend, griffen am 29. April 1809 in der Früh Vorausabteilungen des von Marschall Francois Joseph Lefebvre, dem Herzog von Danzig, geführten 27.000 Mann starken VII. französischen Korps Salzburg an[13]. Hauptbestandteil dieses französisch geführten Korps waren die drei verbündeten bayerischen Divisionen. Die zahlenmäßige Unterlegenheit der Österreicher wurde durch das Fehlen von Artilleriekräften und zusätzlicher logistischer Probleme weiter verschärft und konnte nur zum Teil durch Ortskenntnisse, Geländevorteil und Feldbefestigungen ausgeglichen werden. Nach heftigen Kämpfen während des ganzen Tages, vor und in der Stadt Salzburg, gelang es Jellachich - nach Zufügen von großen Verlusten - sich vom Feind zu lösen und über Hellbrunn nach Hallein zu marschieren, um dort eine neue Verzögerungsstellung aufzubauen[14]. Erst gegen 17 Uhr zog eine bayerische Division unter Generalleutnant Wrede mit 8.000 Mann und 30 Geschützen vom Linzertor her ins Stadtzentrum ein.
In der Stadt machten die Besetzer reiche Beute an Proviant, Munition und Ausrüstungen. Auf Befehl Lefebvres ging man unverzüglich daran, die Stadt in Verteidigungszustand zu bringen, um gegen etwaige Bedrohungen aus den Gebirgsgauen gewappnet zu sein. In den folgenden Wochen mussten für die umfangreichen Befestigungs- und Rodungsarbeiten auf Landeskosten täglich 400 Zivilarbeiter gegen Taglohn den französischen Ingenieuroffizieren zur Verfügung gestellt werden. Requisitionen, Kirchen- und Gebäudebeschlagnahmungen für militärische Zwecke belasteten die Stadtverwaltung ungemein. Auch die Versorgungslage gestaltete sich für die Zivilbevölkerung aufgrund der Bedürfnisse der Besatzer laufend angespannter[15].
Aber auch Jellachich musste wegen Nahrungsmittelknappheit einen Teil seiner Truppen abgeben und in die Steiermark schicken. Eindrucksvoll meldet Jellachiche an sein Korpskommando: ... Das Pongau, unvermögend die eigenen Einwohner zu ernähren, liefert nicht einmal das nöthige Heu, an Brod und Hafer ist gar nicht zu denken, ich weiß mir folglich nicht anders zu helfen, als indem ich einen Officier nach Radstadt beordere um alle erdenklichen Anstalten zu treffen, Lebensmittel aus dem oberen Ennsthal und Steiermark zu schaffen. ...“[16]
Bis zum 1. Mai 1809 dislozierte[17] Jellachich seine Stabstruppen und Reserven in Radstadt, sperrte den Pass Lueg und das Lammertal, konzentrierte zusätzliche Kräfte jeweils in der Tiefe im Salzachtal bis nach St. Johann i.P. bzw. im Lammertal bei Abtenau und Annaberg und ließ die „Franzosenschanze“ bei St. Gilgen besetzen.
Inzwischen war die französische Hauptarmee schon über den Inn in breiter Front in Oberösterreich angekommen und kurz vor Linz in Richtung Wien im Vormarsch. Napoleon hatte indessen Lefebvre befohlen, den Pass Lueg offen zu halten, um später - wenn wieder Streitkräfte disponierbar wären - durch diesen Pass 40.000 Mann über Kärnten nach Tirol einrücken zu lassen. Denn dort war der Volksaufstand unter Andreas Hofer inzwischen erfolgreich verlaufen und österreichische Truppen zogen bereits am 15. April unter dem Jubel der Bevölkerung in Innsbruck ein[18].
In Salzburg schickte Lefebvre den bayerischen Generalmajor Stengel mit einer Brigade über Golling gegen den Pass Lueg. Nachdem am 1. Mai im Pass zwei Angriffe durch die sich hartnäckig verteidigenden Österreicher abgewiesen wurden, beschloss Lefebvre den Pass, nach Zuführung weiterer Kräfte, durch eine Umgehung über Abtenau einzunehmen.
Am 4. Mai um 3.30 Uhr früh trafen die Bayern westlich von Abtenau auf die Österreicher. Aufgrund der zahlenmäßigen Überlegenheit der Angreifer mussten die Truppen von Jellachich nach mehrstündigem Feuergefecht ihre Stellungen räumen und konnten sich erst 3 km ostwärts von Abtenau am Weg nach Annaberg, wo bereits Verstärkungen warteten, festsetzen.
Am 5. Mai wurde sowohl am Pass Lueg, als auch in Abtenau heftig gekämpft[19]. Auf beiden Kriegsschauplätzen waren die österreichischen Soldaten siegreich. Die Bayern mussten nicht zuletzt deshalb vom Lueg ablassen, weil Jellachich unter Einsatz all seiner Reserven, die er aus Radstadt heranführte, den Umgehungsversuch der Bayern über Abtenau – Annaberg zum Scheitern brachte. Mit 6. Mai gaben dann die Bayern ihr Vorhaben auf und begannen den Rückzug auf Golling. Lediglich ein Infanteriebataillon verblieb an der Lammerbrücke und ein Zug leichter Jäger besetzte die Kroatenhöhle. Am 10. Mai zogen auch diese Kräfte Richtung Golling bzw. nach Hallein wieder ab. Die bayerischen Gesamtverluste werden in den Berichten mit 1.300 Mann, die der Österreicher bei 270 Mann angegeben[20].
Jellachich ordnete am 6. Mai von Radstadt aus die von den Pfleggerichten nur lässig betriebene Aufstellung der Landesaufgebote binnen kürzester Frist an. Nachdrücklich forderte er, dass man die „Ausreisser“ der Landwehr sofort zu ihren Bataillonen zurückschicken solle[21]. Die Resonanz auf diesen Aufruf war aber recht bescheiden. So brachte der Pongau nur 102 Schützen und 700 Landstürmer auf die Beine. Ein Teil dieser Leute diente unter dem Stegenwaldner-Wirt Joseph Struber[22] und wurden zur Besetzung der Seitenwege des Passes Lueg eingesetzt. Der Landwehrhauptmann Reisigl setzte die verbliebenen Schützen und Landstürmer zur Sicherung der Zugänge von Bischofshofen, Mühlbach, Filzensattel, Dienten, Goldeck und Taxenbach ein.
Nach den missglückten Angriffen auf den Pass Lueg entschloss sich Lefebvre seine Rückeroberung Tirols einerseits über Traunstein und Kufstein, andererseits über Lofer und den Pass Strub voranzutreiben. Trotz der am Pass Strub und Luftenstein erlittenen großen Verluste des VII. Französischen Korps kämpfte sich Lefebvre nach weiteren gewonnenen Gefechten gegen die österreichischen Truppen unter Feldmarschall-Leutnant Marquis de Chasteler und die aufständischen Tiroler erfolgreich nach Innsbruck durch, wo er am 19. Mai einmarschierte[23]. Da der Widerstand in Tirol nun gebrochen und die Ruhe im Lande wieder hergestellt schien, rückte Lefebvre mit einem Teil seiner Soldaten wieder auf Salzburg.
Als Jellachich vom Vorstoß von Teilen des VII. Französischen Korps nach Tirol und vom Fall des Passes Strub erfuhr, schickte dieser zur Sicherung des Pinzgaues Teile seiner Truppen gegen Saalfelden. Mit Ausnahme einiger Scharmützel, die am 13. bis 15. Mai in der Gegend von St. Gilgen stattfanden, blieb Jellachich in seinen Stellungsräumen unangefochten. Auf Befehl von Erzherzog Johann, der sich mit seiner Südarmee auf dem Rückmarsch aus Italien befand, verließ Jellachich mit seiner Division das Salzburger Gebirgsland am 20. Mai mit Ziel Graz[24].
Nach dem Abzug der österreichischen Truppen lösten sich die Aufgebote des Salzburger Gebirgslandes auf, nicht ohne vorher gemäß der „Unterwerfungsakte der Pfleggerichte“ ihre Gewehre abzugeben[25]. Auch die Demolierung der Befestigungsanlagen im Pass Lueg wurde von den Besatzern angeordnet. Dem kam man von Seiten der Gemeinden, welche die Arbeitskräfte abzustellen hatten, nur sehr zögernd nach.
Nach den Kämpfen am Bergisel und den von Andreas Hofer erzwungenen abermaligen bayerischen Rückzug aus Tirol sowie ermutigt durch die Meldung über den Sieg des Erzherzogs Karl bei Aspern am 21. und 22. Mai, griffen die Pinzgauer wieder zu den Waffen. Unter der Führung von Anton Wallner[26], dem vom befreiten Tirol autorisierten Oberkommandanten des Salzburger Gebirgslandes, wurden überall im Land, wo sich die Möglichkeit bot, Schützenkompanien in der Stärke von 100 bis 120 Mann gebildet. Verstärkung erhielten die Salzburger durch zahlreiche Schützenkompanien aus dem Tiroler Raum. Obwohl die Verteidigungsvorbereitungen sehr vielversprechend voran schritten, auch gegen den Widerstand einzelner Ortschaften, wie z.B. Werfen, gelang es dennoch, einer französischen Brigade[27] unbeschadet in Eilmärschen von Salzburg den Lueg zu passieren und auch über die folgenden Pässe nach Süden durchzukommen. Am 20. Juli konnten die Salzburger Landesverteidiger unter dem von Wallner ernannten Kommandanten für den Pongau, dem Sappeur Ignaz Kettner, bayerische Aufklärungskräfte am Lueg erfolgreich zurückschlagen.
Nach der für die Österreicher verlorenen Schlacht von Wagram bzw. nach dem Waffenstillstand von Znaim am 12. Juli 1809, konnte Napoleon an die Erledigung des Tiroler Problems gehen. Verstärkungen wurden zu Lefebvre gesandt, der auch sofort den Angriff konzentrisch auf Tirol einleitete. Der hartnäckige, aber aussichtslose Widerstand am Pass Lueg (24. Juli 1809) unter Kettner und der Kampf von Anton Wallner an der Halbstundenbrücke bei Taxenbach (27. Juli 1809)[28] konnte die Angreifer nur kurze Zeit aufhalten.
Wider Erwarten besiegten die Tiroler unter Andreas Hofer in einer weiteren Bergisel- Schlacht am 13. August Lefebvres Truppen. Ein abermaliger fluchtartiger Rückzug rettete die französisch-bayerischen Streitkräfte vor der Zerschlagung. Zuvor vernichteten die Tiroler Schützen und Landstürmer eine ganze feindliche Division im Eisacktal in der „Sachsenklemme“ bei Ladritsch und es gelang ihnen auch, eine weitere feindliche Abteilung bei der Pontlatzer Brücke vollständig aufzureiben[29].
Diese Wende hatte nun auch für das Land Salzburg Folgen. Andreas Hofer ernannte nun Anton Wallner abermals zum Oberkommandanten im Salzburger Gebirgsland, mit dem Zusatzauftrag den Pinzgau unmittelbar zu führen. Dem Speckbacher wies er das Kommando am Pass Strub und Haspinger den Oberbefehl im Pongau zu. Eine allgemeine Offensive war für den September 1809 von Hofers Unterführern angesagt. Hofer, aufgrund der noch notwendigen logistischen Vorbereitungen eher defensiv eingestellt, ließ sich dazu nur zögerlich überreden. Pater Haspinger überraschte mit 700 Mann die zwei bayerischen Besatzungskompanien in Werfen und Pfarrwerfen. Hals über Kopf flüchteten die Bayern, die noch entkommen konnten, in Richtung Lueg. Auch die Festung Werfen konnte mit Kriegslist im Handstreich genommen werden. Über die Beute von sechs Geschützen freuten sich die Eroberer.
Laufend schlossen sich viele aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassenen Soldaten den Schützenkompanien an, sodass sich bei Werfen über 1.000 Mann einfanden. In Radstadt versammelten sich über 700 Landesverteidiger und auch bei Abtenau, Annaberg sowie St. Martin am Tennengebirge fanden sich Tiroler und Salzburger Schützenkompanien bzw. Landstürmer in beträchtlicher Stärke ein. Etwa 4.000 Mann wurden bayerischerseits geschätzt[30]. Lefebvres Antwort ließ auch nicht lange auf sich warten. Er konzentrierte seit 21. September starke Kräfte bei Lofer, Unken, Melleck am Lueg und in der Scheffau. Reservetruppen lagen in Oberalm, Vigaun, Hallein, Kuchl und Golling. Am 25. September brach die Offensive der Landesverteidiger an allen Fronten los. In Übereinstimmung mit Speckbachers Angriff auf Lofer erstürmten die Kompanien Haspingers in schweren Gefechten aus Süden vorgehend und unter Ausnützen der Umgehungs- und hochalpinen Schleichpfade den Pass Lueg. Von 6 Uhr früh bis gegen 7 Uhr abends dauerten die Gefechte. Besonders hervorgetan durch gewagte Flankenstöße auf gefährlichen steilen Pfaden hat sich der Stegenwalder Wirt Josef Struber mit seiner Schützenkompanie. Noch auf dem Gefechtsfeld am Pass wurde Struber von Haspinger zum Major befördert und ihm das Kommando über den Pongauer Landsturm übergeben[31]. An der brennenden Tuschen-Brücke über den Fluss Lammer fand der Angriff sein Ende. In der Scheffau wurden die Bayern ebenfalls erfolgreich angegriffen und am Nachmittag zum Rückzug über Golling auf Hallein und Oberalm gezwungen. Nach Ersetzen der zerstörten Tuschen-Brücke durch eine Schiffbrücke eroberte Haspinger am 26. September Golling und ließ Aufklärungskräfte in Richtung Kuchl vordringen. In den Gefechten vor Kuchl und beim Georgenberg am 27. September waren die Schützen und Landstürmer wiederum erfolgreich und die Bayern mussten sich nach weiteren Kämpfen im Tanglwald bis hinter Kaltenhausen zurückziehen. Hallein fiel den Streitern Haspingers am 29. September kampflos in die Hände[32]. Über den Dürrnberg wurde dann die Verbindung mit den Schützen Speckbachers hergestellt. Anton Wallner hatte in Speckbachers Auftrag bereits in Berchtesgaden mit seinen Kämpfern siegreich Einzug gehalten.
Ein Teil der Schützenkompanien aus dem Tiroler Land rückte nun wieder in ihre Heimat ab. Auch Haspinger begab sich nach Radstadt und Schladming, um neue Kräfte für einen Sturm auf die Stadt Salzburg zu gewinnen. Die Gebirgsschützen, durch ihre jüngsten Erfolge übermütig geworden, vernachlässigten aufs Gröbste ihre Feindaufklärung und Sicherung. Dies erkennend, ließ Lefebvre am 3. Oktober 1809 unverzüglich nach Verstärkung und Umgruppierung seiner Truppen, eine Gegenoffensive starten[33]. Die Schützen wurden völlig überrascht und zerstoben nach kurzem Widerstand unter Zurücklassung ihrer Verwundeten und wenigen schweren Waffen in alle Himmelsrichtungen. Auch Josef Struber wurde von seinen Schützen plötzlich alleine gelassen. Er konnte sich der Gefangennahme nur dadurch entziehen, weil er seine militärischen Abzeichen ablegte und als Kellner verkleidet, die eindringenden Feinde im Oberalmer Wirtshaus bediente[34].
An diesem Tag kehrte gegen 10 Uhr Haspinger zum Lueg zurück. Er konnte nur noch Teile seiner Streiter sammeln und den Pass besetzen. Im ganzen Pongauer Gebiet konnte er nur mehr 800 Kämpfer bei der Stange halten. Haspinger zog am 17. mit den Tiroler Kompanien über Radstadt nach Kärnten ab, um dort die Verteidiger unter Joseph Türk zu unterstützen.
Struber übernahm wieder das Kommando über drei verbliebene geschwächte Kompanien im Pass. Angriffe am 17., 18. und 19. Oktober 1809 konnten erfolgreich gegen einen übermächtigen Feind abgewehrt werden.
Da Speckbacher am 17. Oktober bei Melleck geschlagen wurde, am 18. der Pass Strub fiel und am 19. Anton Wallner bei Weißbach kapitulieren musste, übergab Struber, nun völlig isoliert und bereits von bayerischen Truppen im Rücken bedroht, am 20. Oktober den Pass Lueg und legte die Waffen nieder. Mit der Entwaffnung der Schützen und Landstürmer in Abtenau am 22. Oktober 1809[35] hatte die Erhebung im Salzburger Gebirgsland ihr Ende gefunden.
1 Oswald Gschließer: Das Zeitalter der Koalitions- und Befreiungskriege. In: Unser Heer - 300 Jahre österreichisches Soldatentum in Krieg und Frieden. Hrsg. von Herbert St. Fürlinger, Wien, München, Zürich 1963, S. 191.
2 Als Besatzung in der Garnison liegen.
3 Franz Ortner: Zwischen Habsburg und Wittelsbach-Säkularisation und Franzosenkriege. In: Heinz Dopsch/Hans Spatzenegger (Hg): Geschichte Salzburgs Stadt und Land. Bd. II/2, Salzburg 1988, S. 587-659, hier S.595.
4 Friedrich Dietrich von Hermannsthal: Geschichte des Tyroler Feld- und Land-, später 46. Linien-Infanterie-Regiments. Errichtet 1745, reducirt 1809 ( Krakau 1859), S. 225ff. Das Regiments-Knaben-Erziehungshaus wurde 1782 in Innsbruck aktiviert, von 1799 bis 1801 vorübergehend in die Steiermark nach Leibnitz verlegt. Hier wurden die Söhne der Offiziere und illegitime Soldatenkinder erzogen. Vgl. dazu Alphons Freiherr von Wrede: Geschichte der K. und K. Wehrmacht. Die Regimenter, Corps, Branchen und Anstalten von 1618 bis Ende des XIX. Jahrhunderts, II. Band., Wien 1898, S. 250f.
5 Ferdinand Strobl von Ravelsberg: Die Landwehr anno Neun. In: Das Kriegsjahr 1809 in Einzeldarstellungen, Bd. X, Wien, Leipzig 1909, S. 46 – 49.Die Landwehr bestand aus vier Bataillone mit einer Stärke von je 800 bis 1.200 Mann unter Generalmajor Baron von Legisfeld.
6 Johann Christoph Allmayer-Beck: Der operative Generalstabsdienst, II. Bd., Wien 1972, S. 40 ff.
7 K. k. Kriegs-Archiv, Kriegs-Chronik Österreich - Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie, II. Theil, Wien 1886, S. 162 f.
8 Staatsarchiv/Kriegsarchiv in Wien (= KA), Alte Feldakten 1809/Deutschland/6. Corps/4/413. Vgl. auch Karl Fuchs: Österreichs Befreiungskrieg 1809. In: Geschichtliche Jugend- und Volks-Bibliothek, XVII. Buch, Regensburg 1908, S. 58 f.
9 Ludwig Brunswik von Korompa: Militärischer Führer durch das Donau-Tal von Passau bis zur Marchmündung. Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg, Wien 1906, S. 102 f.
10 Kurt Anton Mitterer: Der 12. Dezember 1800 – Aufmarsch an der Saalach-Salzach-Linie. In: Salzburg anno 1800 – Die vergessene Schlacht auf den Walser Feldern, Salzburg 1999, S. 56 ff.
11 Gedeon Freiherr Maretich von Riv-Alpon: Die Gefechte in der Umgebung von Salzburg in den Jahren 1800, 1805 und 1809, Wien 1893, S. 60.
12 Über den Kampfwert von Teilen der Landwehr äußert sich Jellachich in einem Bericht an sein vorgesetztes Kommando sehr kritisch: In Betreff der Landwehr bin ich noch im Zweifel, ob ich mich über ihre schnelle Auflösung mehr ärgern als trösten muss, das 2. Salzburger Bataillon, obschon eine Meile entfernt, riss auf den ersten Schuss die Coquarte vom Hut, warf die Gewehre und die Fahne weg und lief davon. Die übrigen schmelzen durch ungeheure Desertion zusammen ...“KA, Alte Feldakten 1809/Deutschland/6. Corps/4/565.
13 Hasso Dormann: Der Krieg Österreichs gegen Frankreich. In: Feldmarschall Fürst Wrede – Das abenteuerliche Leben eines bayerischen Heerführers, München 1982, S. 54 ff, bes. S. 59 f.
[14] Andreas Graf Thürheim: Geschichte des k. k. achten Uhlanen-Regimentes Erzherzog Ferdinand Maximilian. Von seiner Errichtung 1718 bis August 1860, Wien 1860, S. 101 f.
[15] Peter Putzer: Staatlichkeit und Recht nach der Säkularisation. Salzburg unter französischer Administration (1809-10). In: Geschichte Salzburgs - Stadt und Land, hrsg. von Heinz Dopsch und Hans Spatzenegger, Bd. II, 2. Teil, Salzburg 1988, S. 646 ff.
[16] KA, Alte Feldakten 1809/Deutschland/6. Corps/4/565.
[17]Truppen räumlich verteilen bzw. verlegen.
[18] K. k. Kriegs-Archiv, Kriegs-Chronik Österreich - Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie, II. Theil, S. 169.
[19] KA, Alte Feldakten 1809/Deutschland/6. Corps/5/95 - mit Blg.; s.a. KA, Alte Feldakten 1809/Deutschland/6. Corps/5/171.
[20] Anton von Schallhammer: Kriegerische Ereignisse im Herzogthume Salzburg in den Jahren 1800, 1805 und 1809. Salzburg 1853, unveränderter Nachdruck Hallein 1979, S. 88.
[21] Ebd. bei Schallhammer, V. Heft, Urkundenteil, Nr. 103. Hinweis: diesen Urkundenteil gibt es nur in der 1. Ausgabe von 1853.
[22] Gedeon Freiherr Maretich von Riv-Alpon: Josef Struber und die Kämpfe in der Umgebung des Passes Lueg im Jahre 1809, Salzburg 1897, unveränderter Nachdruck Hallein 1984, S. 50 mit Anm. 31.
[23] Werner Köfler: Die Kämpfe am Bergisel 1809. In: Militärhistorische Schriftenreihe, hrsg. vom Heeresgeschichtlichen Museum - Militärwissenschaftliches Institut, Heft 20, Wien 1972, S. 24 ff.
[24] Während dieses Marsches wurde Jellachichs Vorhut bei St. Michael, südwestlich von Leoben, durch die Voraustruppen des Vizekönigs von Italien unter General Grenier am 25. Mai derart geschlagen, dass er dem Erzherzog Johann statt 8.000 Mann nur 3.424 zur Verstärkung zur Verfügung stellen konnte. Siehe auch k. k. Kriegs-Archiv, Kriegs-Chronik Österreich - Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie, II. Theil, S. 166.
[25] S. die „Bekanntmachung“ in: Salzburger Landesarchiv (= SLA), HS 530 Nr. 23, 4. Mai 1809.
[26] Adolf Schweitl: Anton Wallner – Freiheitskämpfer von 1809. In: Festschrift zum 25jährigen Gründungsfest mit Fahnenweihe der Prangerschützen Thundorf-Straß, Thundorf-Straß 2003, S. 62; vgl. auch Schallhammer, Kriegerische Ereignisse im Herzogthume Salzburg in den Jahren 1800, 1805 und 1809, S. 271 ff.
[27] Gedeon Freiherr Maretich von Riv-Alpon: Die Gefechte in der Umgebung von Salzburg in den Jahren 1800, 1805 und 1809, S. 86.
[28] Felix Redolf: Das Gefecht an der Halbstundenbrücke bei Taxenbach 1809. In: Pallasch – Organ der Österreichischen Gesellschaft für Heereskunde, Heft 14, Salzburg 2002, S. 65 – 82.
[29] Erich Zöllner: Geschichte Österreichs. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Wien 1984, S. 340 f.
[30] Maretich: Josef Struber und die Kämpfe in der Umgebung des Passes Lueg im Jahre 1809, S. 67.
[31] Werner Köfler: Die Kämpfe am Paß Leug im Jahre 1809. In: Militärhistorische Schriftenreihe, hrsg. vom Heeresgeschichtlichen Museum - Militärwissenschaftliches Institut, Heft 41, Wien 1980, S. 24.
[32] Maretich, Die Gefechte in der Umgebung von Salzburg, S. 97.
[33] Schallhammer, Kriegerische Ereignisse im Herzogthume Salzburg, S. 49.
[34] Maretich, Josef Struber und die Kämpfe in der Umgebung des Passes Lueg im Jahre 1809, S. 87.
[35] Maretich, Die Gefechte in der Umgebung von Salzburg, S. 101.
Erschienen in: Salzburger Volkskultur, 28. Jahrgang, November 2004, hrsg. von Angelika Kromas und Lucia Luidold, Landesverband Salzburger Volkskultur, Salzburg 2004, S. 10 – 16.